Thema: Promotion Lichtbringer
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Alt 26.10.2008, 11:27   #4
Warin
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AW: Lichtbringer

Was Lichtbringer von anderen Anthologien unterscheidet ist, dass alle Geschichten in einer gemeinsamen Welt spielen und die Suche nach Lichtbringer, dem heilbringenden Schwert, dass stets gesucht und doch nie gefunden wird, in den Mittelpunkt stellt. Das lässt die Anthologie trotz der unterschiedlichen Schreibstile fast wie einen Roman lesen, zumal das intelligente Konzept des Buches die Geschichten in eine zeitliche Reihenfolge stellt, die vom Jahre 10 in der Welt Akyris bis ins Jahr 3500 reicht.

Obgleich High Fantasy bekanntermaßen nicht mein Ding ist, habe ich die Anthologie gern an einem Wochenende durchgelesen. Beeindruckend ist das hohe sprachliche Können der zumeist jungen Autoren. Ganz ehrlich: Abgesehen davon, dass es mir schwer gefallen wäre, mich in eine Welt wie Akyris einzufinden, ich glaube nicht, dass meine Schreibkünste ausreichend gewesen wären, um in dieser Anthologie Berücksichtigung zu finden. Vielleicht kannst du, Treogen, uns gelegentlich noch erzählen, aus wieviel Einreichungen diese 18 Geschichten ausgewählt wurden.

Wie ich hier ja schon ausgeführt habe, ist das Buch drucktechnisch einwandfrei gefertigt und muss sich hinter den Produkten größerer Verlage nicht nur nicht verstecken, sondern übertrifft diese sogar. Die Geschichten sind gut lektoriert, mehr als sieben, acht Fehlerchen sind mir nicht aufgefallen, da hatten wir schon Leserundenbücher mit schlechteren Quoten.

Ein paar Geschichten möchte ich herausheben, weil sie sich für mich positiv oder negativ von den Übrigen abhoben:

Der "reifeste" Autor ist für mich Tom Cohel. Sein Sklavenprediger kann für mich sprachlich mit den Großen der Branche locker mithalten. Ich bin sicher, von diesem unter Pseudonym schreibenden Autor werden wir noch mehr hören.

Am besten das Motiv von Lichtbringer getroffen hat für mich Markus Drevermann mit "Ein neuer Weg". Seine Geschichte hat das, was den anderen zum Teil fehlte: Eine Moral, die der Legende von Lichtbringer einen nachvollziehbaren Sinn gibt.

Wo Licht ist, muss aber auch Schatten sein und ich möchte nicht verhehlen, dass mich zwei Geschichten, ja ich muss es fast so sagen, leicht verägert haben. Die brutalen Vergewaltigungsszenen in "Valias Berufung" wirkten für mich wie ein Fremdkörper in der Anthologie und rufen nach einem FSK von 16 oder höher, sofern es ein solches denn für Bücher gäbe. Als sprachlich schwach habe ich leider ausgerechnet die beiden ersten Geschichten von Andre Skokow erfunden. In "Kinderseele" konnte ich den sprunghaften Gedankengängen des Autors nicht folgen, in "Götterkinder" hätte mich die alberne Sprache Muquaps beinahe dazu bewegt, das Buch aus der Hand zu legen. Es wäre Schade gewesen, denn mir wären tolle Geschichten entgegen. Deshalb rate ich allen, die wie ich vielleicht mit den ersten beiden Geschichten nichts anfangen können: Unbedingt weiterlesen^^

Insgesamt ein wenig zu häufig findet sich für mich das Motiv einer Taverne in regnerischer Nacht in der Anthologie wieder, hier hätte ich mir ein wenig mehr Vielfalt und Einfallsreichtum gewünscht.

Bei meiner Bewertung will ich fair sein und beziehe meinen Vergleich auf Anthologien anderer Kleinverleger. Und daher vergebe ich vier Sterne, auch wenn diese natürlich nicht vergleichbar sind mit den z.Zt. vier Sternen eines Sternenwanderes oder der Scheibenwelt.
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